Brigitte Brennecke
Ist eine pensionierte Sonderschulrektorin mit zwei erwachsenen
Kindern. Sie stammt aus Pommern und landete als Heimatvertriebene in Schleswig-Holstein.
Seit der Pensionierung hat sie Zeit zu malen, im Chor zu singen, zu lesen
und sich in der Kommunalpolitik, fŸr Umwelt und soziale Probleme einzusetzen.
Sie schreibt Glossen, Autobiografisches, absurde ErzŠhlungen, Sketche, KinderbŸcher
und vor allem Texte, die sich mit der Sprache befassen. Sie liest ihre Werke
gerne vor.
Keramikfršsche
Beim Mittagessen fiel mir auf, dass Erna etwas hatte,
es gab nicht wie sonst alle Tage Eintopf, sondern mein Lieblingsgericht
Bratwurst, Kartoffeln und So§e. Zuerst sah Erna mich erwartungsvoll an,
aber dann zog sie Gesichter.
ãIs wasÒ, fragte ich, ãplagen dich mal wieder deine
KopfschmerzenÒ?
ãHeute ist unser HochzeitstagÒ, stie§ sie bitter hervor,
ãund du hast das mal wieder vergessenÒ.
TatsŠchlich! – ãAber nein, ErnaÒ, heuchelte ich,
ãwarte, ich habe eine †berraschung fŸr dichÒ.
Schnell stieg ich in unsern Opel Corsa und raste zum
Einkaufszentrum. Ich zog den Parkschein und parkte in der Tiefgarage. Dann
rannte ich nach oben. Ich wusste ja, was Erna sich fŸr den Garten wŸnschte.
Wie oft hatten wir beide vor den Keramikfršschen gestanden! ãDen mit der
roten Badehose hŠtte ich zu gernÒ, sagte sie jedes Mal, ãund guck mal, der
mit dem Zylinder, ist der nich sŸ§Ò? Bisher hatte ich ihr immer die Fršsche
ausgeredet, das Reh und die sechs Zwerge machten unsern Garten doch schon
liebenswert genug, zudem kosteten die Dinger 28,95 pro StŸck, so reichlich
war meine Rente nicht. Jetzt war ich froh, dass ich sie ihr noch nicht geschenkt
hatte. In der Gartenabteilung sah ich mich um. Niemand beobachtete mich.
Schnell schob ich Ernas Lieblinge unter meine Strickjacke und klemmte sie
mit den HosentrŠgern fest. Die Zettel mit der †berschrift âAnleitungÕ riss
ich ab und stopfte sie in meine Hosentasche. Anleitung – wieso braucht
man fŸr Fršsche eine Anleitung, dachte ich und ging zur Rolltreppe. Sie
wurde gerade repariert, also strebte ich zum Notausgang. Als ich die TŸr
šffnete, drang ein Quaken aus meiner Jacke. ãNanaÒ, sagte ein Mann hinter
mir, und zwei Jungen lachten. Ich wurde knallrot, worŸber die Gšren noch
frecher kicherten. Die Treppe runter zum Parkhaus – geschafft! War
das Angstschwei§, was da in meiner Hose runterrann? Zum MŸnzautomaten, oh
weh, ich hatte kein Kleingeld! Also zum Bezahlschalter. Ich holte mein Portemonnaie
aus der Hosentasche, und dabei quakte es wieder. ãWenn Sie was gekauft hŠtten,
wŸrden wir Ihnen das Geld erstatten, Sie brauchen also gar nicht Ÿber den
Preis zu quakenÒ, sagte die Dame schnippisch. Ich floh mit dem Wechselgeld
und kam glŸcklich nach Hause. Erna sah mich aufmerksam an: ãDein Hormonhaushalt
stellt sich um, Herbert, ich glaube, du bekommst einen HŠngebusenÒ. Schnell
holte ich meine Beute hervor und gratulierte Erna zum Hochzeitstag, sie
war sofort versšhnt: ãDass du daran gedacht hast, und auch noch den mit
der Badehose und den mit dem ZylinderÒ, rief sie glŸcklich und wollte die
Keramikfršsche sofort vorne im Garten zu dem Reh stellen. Ich brachte sie
dazu, sie hinter der Laube aufzubauen, und dann las ich Erna die Anleitung
vor. Die Fršsche konnten nicht nur quaken, sie konnten auch leuchten und
mit Wasser spritzen.

Zu den Autorinnen:
| Brigitte Brennecke | Johanna Kastendieck | Anke Lathwesen | Gerda Stelling | Anna-Ilse Wehner | Ingrid Weißmann |